ANAGAMA

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Der Anagama
oder besser, für die nicht eingeweihten Seitenbesucher: Der keramische Holzbrand


FEUERSTURM, NATURGEWALT, ASCHEREGEN, FASZINATION, GLUTKUCHEN, ZUFÄLLIGKEITEN, RAUCHSÄULE, ÄSTHETIK, FLAMMENSPUREN, VOLLENDUNG, SPIEL, ANFLUG-GLASUREN, ARCHAISCH, SCHLACKEBROCKEN UND

...DAS WICHTIGSTE, FREUDE!


Schreiben Sie einen Aufsatz und verwenden Sie die genannten Begriffe. Möglicherweise gelingt es Ihnen ein Bild zu zeichnen, von etwas, das man mit Worten so schwer beschreiben kann.

Wie kann man vermitteln, wie beißend und köstlich ein solcher Brand riecht und schmeckt, wie der vom Adrenalinfluß gespülte Körper sich anfühlt am sechsten Brandtag, wie das Holz im Feuer zu sprechen versteht, wie es prasseln, krachen, tosen, und geheimnisvoll flüstern oder zischen kann und wie unfassbar die Stille dann ist in dem heiligen Moment, wenn der Brand vollbracht ist, alle Öffnungen geschlossen und verschmiert sind, der Atem ruhig wird, das Matterhorn erklommen ist, das Glück strömt?

Und wie sehr die Neugierde nagt in der furchtbar langen Woche, die es zu warten gilt, bis die gewaltigen Temperaturen langsam, ganz langsam, runtergekühlt sind, damit endlich die vermauerte Tür aufgeschlagen werden kann, und man hineinkriecht in den Walfischbauch des Ofens um das Erntefest zu feiern.


HOLZBRANDÖFEN GIBT ES AUF DER GANZEN WELT!


Die Luxusausführungen findet man seit 1000 Jahren in Korea und Japan, flach liegende Schlangenkörperöfen, den sogenannten „Anagama“ oder groß, größer, den Hang hinaufsteigend, Öfen mit gigantischen Ausmaßen und biblischem Alter. Amerika bietet eine ganze Palette, traditionelle Nachbauten, ulkige überraschende Eigenkreationen und mutig-skurile Neuerfindungen, sogar topfunktionierende Schnellbrenner. In Frankreich und England hat s ganz eigene Traditionen, schauen Sie in der Welt herum. Einmal infiziert mit der Neugierde auf Holzbrand-Keramik werden Sie überall welche entdecken. Aber vergessen Sie nicht vor der Haustür zu schaun. Das Gute ist oft greifbar nah.

Der „Anagama“ Ofentyp begegnete mir vor vielen Jahren in Japan, und ich wurde selbst Feuer und Flamme für das Brennen mit Holz in solch einem Ungetüm, bis ich selbst einen bauen wollte.


DEN EIGENEN OFEN ZU BAUEN ERFORDERT AUSSER DER GIER DARAUF IHN DANN IRGENDWANN FEUERN ZU DÜRFEN VOR ALLEM VIELE FREUNDE.


Für den Brand, der in meinem Ofen 6 Tage und Nächte brauchte, braucht es willige, durchhaltefähige, echte Freunde.

Ganz wichtig, vor allem die Nachbarn sollten unbedingt freundlich, tolerante Freunde sein, denn sonst ist´s gleich wieder vorbei mit dem Vergnügen, wenn hohe Ruß-und Feuersäulen tagelang aus dem Schornstein in den Himmel steigen.

Ein nachbarschaftlicher Freund hat nämlich gar keine Zeit sich darüber aufzuregen, denn im guten Fall ist er damit beschäftigt das Brennteam mit Nahrung zu versorgen, Neugierige abzufangen und vorzusortieren oder die eventuell fälschlich alarmierte Feuerwehr mit einem Kasten Bier zu besänftigen.

So unzählbar viele Ofentypen, wie es gibt, so riesig ist auch der Fundus an Holzbrenner-Kollegen, die alle etwas gemein haben. Die Essenz der wahren Gefühle, des Besessenen, des leicht Verrückten und des erfüllten Glücks. Man sollte sie unbedingt zu den Freunden zählen, denn wie wertvoll sind all die Tipps und Tricks oder manchmal der kollegiale Trost, den man aufsaugt nach einem mißlungenen Brand.

Und wie schön ist es sich unter Gleichgesinnten zu tummeln, das gegenseitige Verständnis und die Anerkenntnis für gelungene Stücke. Da können Freunde zusammen wachsen, die gemeinsam durchs Feuer gehen.

Nicht zu vergessen das viele Holz, für meinen Anagama brauchte ich 20-25 m². Nur wenn es gemeinsam mit Freunden geschlagen, gespalten, gestapelt wird, bleibt noch Kraft für die eigentliche, die keramische Arbeit.

Genauso verhält es sich mit dem Ursprung der Sache, das Instrument will erstmal gebaut sein, auch das undenkbar ohne Freunde.

Und wenn dann das Wunder vollbracht ist, das Holz war gut gelagert, 2 lange Jahre, die Gefäße gearbeitet, der Ofen bestückt, gebrannt, abgekühlt, ausgenommen, gesichtet, die Schätze geborgen und postiert, genau dann braucht die Holzbrennerei wieder ganz viele gute Freunde, die etwas von der Arbeit verstehen oder sich blind in die Stücke verlieben, die die Lebendigkeit daran erkennen, ihr erliegen und sie nach Hause tragen. Denken Sie unbedingt daran, wenn Ihnen ein gutes Stück begegnet.

Meine im Anagama gebrannten Stücke waren 6 Tage lang im Feuer, welches Temperaturen bis 1350 Grad erreichte, wurden nur von der fliegenden Asche „bemalt“ und glasiert.


JEDES STÜCK KANN, WENN SIE GENAU SCHAUEN, DEN WERDEGANG SELBST ERZÄHLEN, JEDENFALLS ALL DENEN, DIE IN DER LAGE SIND SEINE KRAFT ZU SAUGEN, DIE KENNER SIND, FANS UND FREUNDE DER HOLZBRAND-KERAMIK.


 

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